Weihnachten in Japan – Lichter, Liebe und Hühnchen
- Martina Ecker

- 17. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Jan.

Wenn in Japan im Dezember die Lichter angehen, dann richtig. Kein stilles Glöckchenläuten, keine duftenden Tannen – stattdessen Millionen kleiner Lampen, die ganze Parks, Bahnhöfe und Straßen in ein funkelndes Meer verwandeln. Die Menschen flanieren durch diese Lichtlandschaften, fotografieren, lachen, staunen. Weihnachten in Japan ist kein kirchliches Fest, sondern ein Fest des Lichts. Und vielleicht gerade deshalb so faszinierend.
Kein Feiertag, aber ein Gefühl
Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung in Japan ist christlich – das heißt: keine Weihnachtsferien, keine Christmette, kein stiller Feiertag. Trotzdem lieben die Japaner:innen die Stimmung. Überall glitzert es, Geschäfte dekorieren, Kinder basteln, und Weihnachtslieder laufen rauf und runter – meist amerikanische Klassiker wie Jingle Bells oder Last Christmas. Weihnachten wird einfach anders verstanden: nicht religiös, sondern emotional. Ein Tag, an dem man Freude teilt.
Der 24. Dezember – kein Familienfest, sondern Date Night
Während bei uns Familien zusammenkommen, wird der 24. Dezember in Japan ganz anders gefeiert: romantisch.
Restaurants sind ausgebucht, Hotels bieten „Paar-Menüs“, und überall glitzert es in Herzform. Für viele Japaner:innen ist Weihnachten eher wie Valentinstag – ein Abend für Liebe, Kerzenlicht und süße Gesten. Familien feiern, wenn überhaupt, am 25. Dezember – meist klein und gemütlich, ohne religiösen Hintergrund.
Der Klassiker auf dem Tisch: Kentucky Fried Chicken
Ja, wirklich.
In Japan gehört zu Weihnachten kein Festbraten, sondern… Hühnchen.
In den 1970ern startete Kentucky Fried Chicken eine Werbekampagne mit dem Slogan „Kentucky for Christmas“. Sie wurde ein Volltreffer – und ist bis heute Tradition.
Jedes Jahr bestellen Millionen Japaner:innen ihr KFC-Weihnachtsmenü Wochen im Voraus. Wer zu spät kommt, hat Pech – alles ausverkauft. Dazu gibt’s eine weiße Erdbeertorte mit Schlagsahne – den Christmas Cake. Symbol für Freude, Teilen und ein bisschen Luxus mitten im Alltag.
Kleine Geschenke, große Geste
Kinder bekommen kleine Überraschungen – keinen Geschenkestress.
In Schulen und Kindergärten wird gebastelt, gesungen und über andere Kulturen gesprochen. Für viele ist Weihnachten eine Gelegenheit, über Frieden, Freundschaft und Dankbarkeit zu reden – Werte, die wunderbar zum Samurai-Programm passen.
Weihnachten ist für die Herzen – Neujahr für die Familie
Das eigentliche große Fest in Japan folgt erst danach: Oshōgatsu, das Neujahrsfest. Dann kehren die Menschen zu ihren Familien zurück, besuchen Schreine, essen traditionelle Speisen und wünschen sich Glück für das neue Jahr.
Man könnte sagen: Weihnachten ist das Fest der Freude – Neujahr das Fest der Wurzeln.
Und was wir davon lernen können
Vielleicht zählt weniger, wie man feiert, sondern warum. In Japan steht Weihnachten für Licht, Freude und Verbundenheit. In Europa für Wärme, Nähe und Dankbarkeit.
Und im Samurai-Programm? Da geht es – das ganze Jahr über – genau darum: Momente zu schaffen, die leuchten – weil Menschen einander wirklich begegnen, sich spüren und verbinden.
Denn egal ob unter einem Kirschbaum oder unter einem Christbaum:
Was zählt, ist das, was uns berührt.
Frohe Weihnachten – oder wie man in Japan sagt:
メリークリスマス (Merī Kurisumasu!)
Wenn dieser Text etwas in dir bewegt hat, freue ich mich über eine persönliche Rückmeldung an mich.
Quellen & Hintergrundhinweise
Dieser Artikel basiert auf Veröffentlichungen und kulturwissenschaftlichen Analysen zu japanischen Weihnachtsbräuchen, darunter:
Japan National Tourism Organization (JNTO) – „Winter Illuminations in Japan“ (2024)
Nippon.com – „How Japan Celebrates Christmas“ (2023)
The Japan Times – „Romantic Christmas Eve in Japan“ (2022)
BBC – „How KFC became Japan’s Christmas tradition“ (2021)
Smithsonian Magazine – „Kentucky for Christmas“ (2020)
Japan Today – „Christmas in Japan: Lights, Cake and a Little Love“ (2022)
Japan Guide – „Oshōgatsu – New Year in Japan“ (2024)
NHK World Japan – Features zu Winterbräuchen



